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  • Robert Osten

8 Tipps für Ihre Krisenkommunikation


Warum Ihre Kommunikation heute entscheidend für Ihre Performance von morgen ist

Deutschland und die Welt befindet sich in einem Ausnahmezustand. Viele Branchen wie z.B. die Automobilbranche durchleben eine der schwersten Krisen überhaupt (Quelle: Branchenanalyse der Unternehmensberatung Bain & Company), Umsätze bleiben aus und sämtliche Prognosen sind unsicher. Bei allen Anstrengungen, das eigene Unternehmen über die Krise hinweg zu retten, kann eines schnell in den Hintergrund geraten: Das Unternehmen durch die Krise zu führen.

Mitarbeiter spüren, dass sonst stabile Unternehmen aktuell plötzlich auf wackeligen Beinen stehen. Unternehmen, die Ihren Mitarbeitern während Neujahrsansprachen noch ein gutes Geschäftsjahr prognostiziert haben, müssen nun Kurzarbeit anmelden. Konsequenzen, die jeder Mitarbeiter stärker spürt als sämtliche internen und externen Personalmarketingmaßnahmen aus der Zeit vor der Krise. Doch was bedeutet das für Arbeitgeber?


Wer jetzt keine gute Krisenkommunikation leistet, wird es nach der Krise schwer haben, bestehende Mitarbeiter zu halten und neue Mitarbeiter zu finden.

Eines der Hauptziele vor der Krise war für viele Unternehmen, sich im hart umkämpften Bewerbermarkt als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren und bestehende Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden. Doch die Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehung ist eben genau das: eine Beziehung. Eine Beziehung in der man wirklich merkt, dass man zusammenpasst, wenn man auch Krisen gemeinsam meistert und auch in harten Zeiten Seite an Seite steht. Eine gute Krisenkommunikation jetzt sichert Ihnen das Vertrauen Ihrer Mitarbeiter für die Zukunft - mehr als es gratis Kaffee und ein Rabattcode fürs Fitnessstudio nebenan in rosigen Zeiten je könnten.

Wir haben nachfolgend daher einige Tipps für Sie zusammengestellt, wie Sie Ihre Krisenkommunikation stärken und so mit wenig bis keinem Invest Ihre Zukunft als Arbeitgeber nachhaltig sichern können. Diese gelten übrigens sowohl für die Unternehmen, die durch die Krise einen starken Geschäftsrückgang erleben als auch für die Unternehmen, die bedingt durch die Krise eine unerwartet hohe Arbeitslast erleben. Sie haben wenig Zeit? Die Essenz jedes Abschnitts finden Sie jeweils darunter kurz und knapp zusammengefasst.


  • Kommunizieren Sie! „Man kann nicht nicht kommunizieren“ – dieses Zitat von Paul Watzlawick ist jedem bekannt und doch hilft es, sich genau das aktuell nochmals in Erinnerung zu rufen. Kommunizieren Sie mit Mitarbeitern regelmäßig, einheitlich und stringent. Sie schweigen, weil gerade sehr viel zu regeln ist, man sich um die Existenz des Unternehmens jetzt sichern muss und die Details Ihre Mitarbeiter eventuell auch verängstigen würden? Die schlimmsten Mutmaßungen gewinnen so in den Köpfen Ihrer Mitarbeiter die Überhand und werden zu konkreten Ängsten. Zusammengefasst: Wenn Sie Ihre Mitarbeiter in die größte Panik versetzen möchten, schweigen Sie.

  • Krisenkommunikation ist Chefsache! Es hat einen Grund, warum bei allgemein wichtigen Themen im Staat die Kanzlerin spricht und nicht der Stabsuntersekretär. Wenn es ernst wird, will man mit jemandem sprechen, der etwas zu sagen hat und die allgemeine Lage überblickt. Natürlich wird der Support der Kommunikationsabteilung, des Human Resources und des Health Managements absolut benötigt aber der Absender sämtlicher Botschaften an die Belegschaft sollte immer die Geschäftsführung sein. Zusammengefasst: Wenn es ernst wird, spricht der Häuptling.

  • Aktualität ist Key! Schauen Sie sich aktuell gerne die Tagesschau von vorgestern an? Wahrscheinlich nicht. Genauso geht es Ihren Mitarbeitern. Teilen Sie Ihren Mitarbeiten die derzeitige Lage des Unternehmens immer aktuell und mit. Sicher erfordert dies zum jetzigen Zeitpunkt einige kreative Lösungen. Mitarbeiter, die die aktuelle Lage kennen, vertrauen Ihnen als Arbeitgeber mehr und spekulieren weniger. Mitarbeiter, die in Sie vertrauen und sich eingebunden fühlen, werden auch nach der Krise weiterhin gerne bei Ihnen arbeiten. Kommt Ihrer offiziellen Kommunikation der Flurfunk voraus, sind Sie damit automatisch der letzte, der sich zum Thema äußert. Zusammengefasst: Flurfunk funktioniert auch ohne Flur. Seien Sie schneller.

  • Ehrlich währt am längsten! In dem Fall: Transparenz bindet Mitarbeiter länger und stärker. Wenn Sie an Ihre Mitarbeiter kommunizieren, ist Transparenz ein entscheidender Faktor. Seien Sie ehrlich und positiv, vermeiden Sie es jedoch unbedingt spekulative oder euphorische Äußerungen zu tätigen. Die Enttäuschung darüber, dass euphorische Einschätzung am Ende nicht eintreffen, wird das Vertrauen Ihrer Mitarbeiter in Sie als Unternehmensführung nachhaltiger und negativer beeinflussen, als eine weniger positive aber ehrliche Einschätzung. Geben Sie auch Fehler zu, sofern welche gemacht wurden, und betonen Sie, was daraus gelernt wurde und was nun getan wird, um dies zukünftig zu verhindern. Zusammengefasst: Seien Sie ehrlich und positiv statt spekulativ und euphorisch.

  • Seien Sie digital und analog! Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche und oft neue Wege. Einige Menschen sind teilweise oder komplett im Homeoffice oder in Kurzarbeit, andere gehören zu den „systemrelevanten Bereichen“ und arbeiten übermäßig viele Stunden unter erschwerten Bedingungen. Egal unter welche Kategorie Ihre Mitarbeiter fallen: Alle zu erreichen, ist gerade jetzt schwierig. Nutzen Sie daher neue und ungewöhnliche Kanäle, um Nähe zu Ihren Mitarbeitern zu erzeugen. Dazu können neue digitale Wege gehören, wie Videobotschaften oder Mitarbeiter-Apps, die sich auch kurzfristig aufbauen lassen wie z.B. Staffbase NOW aber auch analoge Wege. Schicken Sie Ihren Mitarbeitern z.B. Postkarten nach Hause, mit denen Sie Ihnen zeigen, dass Sie als Firma voll hinter Ihnen stehen – auch bzw. besonders dann, wenn diese gerade nicht arbeiten können. Der Invest ist hier oft überschaubar, zahlt sich aber um ein Vielfaches aus. Zusammengefasst: Denken Sie bezüglich Ihrer Kommunikation out-of-the-Box statt in Schubladen.

  • Nehmen Sie Ängste ernst! Gerade jetzt sind Ihre Mitarbeiter sensibler, unsicherer und oft ängstlicher als gewöhnlich. Nehmen Sie jede dieser Sorgen und Ängste ernst und nehmen Sie sich Zeit, diese zu besprechen und mehr über die Hintergründe zu erfahren sowie Lösungen und Hilfestellungen zu erarbeiten. Sich aktiv einer erhöhten Ansteckungsgefahr auszusetzen und damit gleichzeitig auch die eigene Familie stärker zu gefährden oder die Angst, den langjährigen Job zu verlieren, sind keine Kleinigkeiten und verdienen Ihre Aufmerksamkeit. Durch den verminderten Kontakt ist dies oft schwierig, daher empfiehlt es sich auch hier, den vorherigen Punkt zu beachten. Wie wäre es z.B. mit einer (digitalen) Sprechstunde, die Ihre Personalabteilung anbietet, einer zentralen Mailadresse für Rückfragen oder einer Hotline, an die sich Ihre Mitarbeiter zentral wenden können? Zusammengefasst: Jede Angst Ihrer Mitarbeiter hat ihre Ursache und verdient Ihre Aufmerksamkeit.

  • Vertrauen ist alles! „Wenn meine Mitarbeiter zu Hause arbeiten, kann ich ja gar nicht kontrollieren, ob die wirklich die ganze Zeit arbeiten“. Richtig. Können Sie das denn im Normalfall? Wahrscheinlich auch nicht. Hand aufs Herz: Wenn Ihre Mitarbeiter im Büro sind, arbeiten sie wahrscheinlich auch nicht jede Minute vollkonzentriert. Wahrscheinlich verbringen Ihre Mitarbeiter zu Hause weniger Zeit in der Kaffeeküche, unterhalten sich weniger mit anderen Kollegen und werden nicht so schnell abgelenkt. Eher werden Mitarbeiter Ihnen beweisen wollen, was sie im Homeoffice alles erledigen konnten. Eine zweijährige Studie der Stanford-University beweist, dass Arbeiten im Homeoffice die Produktivität sogar signifikant steigert und Fehlzeiten verringert werden. Wenn Sie Ihren Mitarbeitern vertrauen, werden es diese auch über die Krisen-Phase wertschätzen. Statt sich zu fragen „Was ist, wenn der Mitarbeiter im Homeoffice weniger arbeitet?“, fragen Sie sich lieber „Was ist, wenn sich herausstellt, dass er im Homeoffice wesentlich effektiver arbeitet?“. Aber auch hier kam die oben genannte Studie zu einem Ergebnis, dass Sie vielleicht überrascht. Die Mitarbeiter aus der Studie klagten vermehrt über ein Gefühl der Isolation und bevorzugten, zumindest einen Teil der Woche wieder im Büro zu arbeiten. Ihre Mitarbeiter werden sich später sowohl an ein Grund-Vertrauen als auch an ein Grund-Misstrauen Ihres Arbeitgebers erinnern – es liegt an Ihnen. Zusammengefasst: Themen wie Homeoffice mit 100% Vertrauen starten, statt mit 100% Vorverdächtigung angehen.

  • Ihre Mitarbeiter als Krisenlöser! Sie suchen nach Lösungen, mit denen Sie in der Krise neue Umsatzquellen erschließen können? Sie suchen nach Möglichkeiten und neuen Prozessen für Ihr systemrelevantes Unternehmen während dieser Zeit der extremen Belastung? Wie viele Ihrer Mitarbeiter arbeiten aktiv daran? Wie viele Ihrer Mitarbeiter könnten neue und gute Ideen haben? Fordern Sie diese Ideen aktiv ein. Dazu reicht es schon, eine Mailadresse einzurichten, an die Ideen gesendet werden können, diese Adresse auch aktiv und wiederholt zu kommunizieren und Ihre Mitarbeiter zu ermutigen, Ideen einzureichen. Stellen Sie sicher, dass die eingehenden Mails zeitnah und wertschätzend beantwortet und besonders gute Ideen intern veröffentlicht werden. Ihre Mitarbeiter werden es wertschätzen, dass sie aktiv einbezogen werden, statt passiv abwarten zu müssen. Zusammengefasst: Lassen Sie sich von Ihren Mitarbeitern aktiv dabei helfen, Ihr Unternehmen durch die Krise zu steuern.


Robert Osten, IUGITAS GmbH

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