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  • Christian Kromberg

Bericht aus dem Maschinenraum #12

„Und was gibt es sonst noch?“ Ich liebe es, wenn mir in Zeiten wie diesen diese Frage gestellt wird. Denn sie führt mich aus dem täglichen ‚Corona-Trott‘ heraus, gibt mir die Gelegenheit über die vielen spannenden Themen zu berichten und zu philosophierten, die auch noch im Geschäftsbereich und in den Fachbereichen initiiert, konzipiert, formuliert, finanziert und implementiert werden.

Denn Krise ist nicht nur spannend, nicht Adrenalin pur, nicht eine Entscheidung jagt die andere, eben nicht wie in einem Blockbuster aus Hollywood; sondern Krise ist auch zäh und dann und wann auch – ganz ehrlich – langweilig.

Es beginnt damit, dass der Tag komplett durchstrukturiert ist: 8:30 bis 9:00 Uhr: Gespräch mit meiner Büroleiterin zwecks Vorbereitung Krisenstab; 9:00 bis 10:00 Uhr: Krisenstab unter der Leitung des Oberbürgermeisters; 10:30 bis 11:00 Uhr: TelKo Sicherheitsbehörden; 13:00 bis 14:00 Uhr: Koordinierungsstab Verwaltung (siehe #11); 14:30 bis 16:00 Uhr: Lagebesprechung Lagezentrum Untere Gesundheitsbehörde (siehe #4). Dazwischen bzw. danach diverse weitere Telefonkonferenzen oder Telefonate mit dem Städtetag, der Bezirksregierung, den Fraktionen, den Vertretern der Kritischen Infrastruktur und anderen Playern der Krisenbewältigung. Und das Programm findet statt: jeden Tag von neuem, an fünf, in Teilen sieben Tagen die Woche. Und das Programm heißt: ‚Corona‘.

Ich bin der letzte, der sich darüber beschwert, denn ich weiß natürlich um die Bedeutung meiner (Mit-)Verantwortung in einer Zeit, die für viele Menschen eine existentielle Bedrohung darstellt. Ich möchte nur den Mythos ‚abräumen‘ den Krisenmanagement in der öffentlichen und teils auch veröffentlichen Meinung genießt.

Ganz grundsätzlich: die Arbeit in der Krise unterscheidet sich methodisch nicht von der sonstigen Verwaltungstätigkeit. Bis auf zwei allerdings nicht unwesentliche Unterschiede: die Arbeit in Stäben und die zeitliche und inhaltliche Verdichtung der Entscheidungsfindung. Auf beide Aspekte werde ich in zukünftigen Blogs noch vertieft eingehen. Ansonsten werden die Arbeitsprozesse auch in der Krise mit den bekannten Instrumenten ordentlichen und rechtsstaatlichen Verwaltungshandelns ‚abgearbeitet‘.

Denn Infektionserkrankungen hat es auch vor dem Coronavirus gegeben und auch diese wurden mit den Ermächtigungen des Infektionsschutzgesetzes bekämpft. Es gab für diese Arbeit zwar keine oder nur eine sporadische öffentliche Aufmerksamkeit, sie wurde auch nicht in der Masse und der Geschwindigkeit vollzogen, aber dennoch folgte sie dem Muster, das auch weiterhin in der Krise Gültigkeit hat: die Erkrankung erkennen, den Erkrankten isolieren und behandeln und die Ausbreitung der Infektion durch Kontaktanalysen und Quarantänen verhindern.

Das hört sich nicht spektakulär an, doch sollte man froh sein, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung sich und ihre Arbeit in der Krise nicht neu erfinden müssen, dass sie auf bestehende Kompetenzen, auf Eingeübtes, Bewährtes und Belastbares zurückgreifen können, dass Routinen zwar immer wieder hinterfragt werden, aber als Fundament des Normalen ihre Existenzberechtigung haben.

Und so haben wir nach den ersten aufreibenden Wochen des Shutdowns mittlerweile in den Krisenalltag gefunden, arbeiten das Tagesprogramm professionell und routiniert ab und warten – wie so viele – auf Veränderung der äußeren Rahmenbedingungen. Und sie werden kommen ...

Christian Kromberg, Beigeordneter der Stadt Essen




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