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  • Christian Kromberg

Bericht aus dem Maschinenraum #6

Die Vorgehensweise zur Bekämpfung des Coronavirus ist im Grundsatz eindeutig und wurde in einem der vorherigen Beiträge (siehe #4) beschrieben. Erkrankte Menschen bzw. Menschen, die mit Erkranken in Kontakt gekommen sind, müssen in der Quarantäne isoliert werden, um kein Ansteckungsrisiko für andere darzustellen.

Aber was ist, wenn diese Menschen in ihrem Beruf unverzichtbar sind, weil sie z.B. als Ärztinnen oder Ärzte oder Pflegerinnen oder Pfleger arbeiten. Oder wenn sie in anderen Unternehmen der ‚Kritischen Infrastruktur‘ tätig sind, z.B. in einer Leitstelle eines Kraftwerks oder auch am Geldschalter der Sparkasse. Denn auch in der Krise muss die Grundversorgung der Bevölkerung mit Energie, Wasser, Bargeld, Lebensmitteln, Medikamenten und vielem mehr möglichst reibungslos funktionieren.

Es war daher folgerichtig, dass die Stadt Essen schon sehr frühzeitig nach Beginn der Krise einen Fokus auf die Unternehmen der ‚Kritischen Infrastruktur‘ gelegt und mit dem ‚Koordinierungszentrum Kritische Infrastruktur (KKI)‘ eine Plattform für den gegenseitigen Austausch und ggf. Unterstützung geschaffen hat.

Und die Stadt betreibt das KKI nicht allein. Mit der ‚Allianz für Sicherheit in der Wirtschaft West (ASW West)‘, ihrem Geschäftsführer, Dr. Christian Endreß, und seinem Team im ‚Future Safe Haus‘ in Essen Rüttenscheid stehen in Sachen Krisenmanagement hoch kompetente Partner an unserer Seite. Die ASW West, deren Mitglied die Stadt Essen ist, bietet in Zeiten, wenn nicht gerade eine Pandemie alle anderen Themen der öffentlichen und privaten Sicherheit überlagert, „eine branchenübergreifende Plattform für einen Informationsaustausch zu sicherheitsrelevanten Herausforderungen der Privatwirtschaft.“ Einen besseren Verbündeten konnten wir daher gar nicht finden, zumal das Szenario einer Pandemie und ihre Auswirkungen auf die ‚Kritische Infrastruktur‘ in den Foren der ASW West schon des Öfteren analysiert und diskutiert worden ist.

Welches sind nun die Aufgaben des KKI? Die wichtigste Herausforderung ist die Lösung des oben beschrieben Dilemmas. Was geschieht beispielweise im Falle einer Coronavirus-Erkrankung eines Mitarbeiters bei den Stadtwerken, der mit – sagen wir – fünf weiteren Kolleginnen und Kollegen, zu denen er regelmäßig physischen Kontakt hat, für die Wasserver- und -entsorgung verantwortlich ist. Jedem dürfte klar sein, dass die Lösung nicht lauten kann: die sechs gehen in Quarantäne und die Wasserver- und -entsorgung fällt dann für zwei Wochen im gesamten Stadtgebiet aus. Hier müssen also zusammen mit dem ‚Lagezentrum Untere Gesundheitsbehörde‘ andere Lösungen abseits der normalen Vorgehensweise gefunden werden. Die dazu notwendigen Schritte sind im KKI vorbereitet worden und insbesondere die Kommunikationsprozesse für den ‚Ernstfall‘ stehen.

Aber das KKI bietet für die Unternehmen der ‚Kritischen Infrastruktur‘ noch eine Vielzahl von weiteren Leistungen an. So ist insbesondere die Prävention ein wichtiges Thema der beteiligten mittlerweile über 30 Unternehmen. Wie können z.B. die unternehmerischen Prozesse so gestaltet werden, dass eine Erkrankung des systemrelevanten Personals möglichst verhindert wird oder dass zumindest immer ein ‚Back-up-Team‘ existiert, das im Falle eines Ausfalls das erkrankte – dann in Quarantäne befindliche – Team unverzüglich ersetzen kann? Dazu bedarf es eines intensiven – übrigens auch branchenübergreifenden – Informations- und Erfahrungsaustauschs zwischen den Unternehmen, den das KKI über Videokonferenzen und FAQs, aber auch Einzelberatung organisiert.

Ein weiteres Feld hat sich dadurch aufgetan, dass Hygiene- und Schutzmaterialien auf dem Markt gar nicht mehr oder zumindest nicht leicht ‚aufzutreiben‘ sind. Auch hier konnte in fast allen Fällen durch das deutschlandweite Netzwerk der ASW West, aber auch durch solidarische Hilfe der Unternehmen untereinander eine Lösung gefunden werden.

Insgesamt lässt sich nach nunmehr fast vier Wochen gemeinsamer Arbeit im KKI festhalten, dass die Essener Unternehmen der ‚Kritischen Infrastruktur‘ sehr besonnen und überlegt mit der Krisensituation umgehen. Vielfältige Präventionsmaßnahmen wurden frühzeitig ergriffen und umgesetzt und mit Unterstützung des KKI weiter optimiert. Der Erfahrungs- und Informationsaustausch ist sehr rege und ich bin optimistisch, dass die guten Erfahrungen mit dem KKI auch nach der Corona-Pandemie bestehen bleiben, da die Sensibilisierung für ein professionelles Krisenmanagement gewachsen sein dürfte.

Übrigens: die ASW West hat mit dem Internetblog www.wirtschaftsschutz.nrw ein Forum geschaffen, auf dem man sich zur gegenwärtigen Krise austauschen kann. Das Forum ist öffentlich und kann daher von allen interessierten Unternehmen auch jenseits der ‚Kritischen Infrastruktur‘, aber auch allen Bürgerinnen und Bürgern genutzt werden.

Christian Kromberg, Beigeordneter der Stadt Essen



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